Archiv für die Kategorie „Der tägliche Wahnsinn“
Mach mal Kaffeepause!
Ein Gastbeitrag von Daniela Dreuth
Wie oft am Tag denke ich eigentlich diesen Satz? Sicherlich kennen das die meisten Büroarbeiter: Ohne Kaffee geht am Arbeitsplatz gar nichts. Mir geht es da nicht anders.
Gerade, wenn ich ein reines Korrektorat zu erledigen habe, muss ich ohnehin nach einer knappen Stunde den Blick vom Bildschirm wenden, sonst finde ich keine Fehler mehr. Da bietet es sich ja geradezu an, sich derweil einen Kaffee zu kochen. Also gehe ich hoch in die Küche, schalte den Wasserkocher an und schaufele drei Löffel voll Cappuccinopulver in eine Tasse. (Ich weiß, ich weiß, die meisten Menschen würden ein solches Gebräu gar nicht Kaffee nennen). Bis das Wasser kocht, könnte ich doch eigentlich noch schnell etwas anderes erledigen, denke ich mir.
Ich flitze also beispielsweise in die Waschküche und befülle eine Waschmaschine oder hänge eine fertige Ladung auf. Dann fällt mir ein, dass ich ja noch dringend einen Anruf beim Handwerker X oder der Behörde Y erledigen muss. Wo ich nun schon wieder am Schreibtisch angekommen bin, kann ich eigentlich auch gerade mal ein paar Listenmails lesen oder nachschauen, was es Neues bei Facebook gibt. Nahtlos geht es danach wieder an die Arbeit.
Viel später überfällt mich ein Gefühl: Du bist reif für einen Kaffee! Apropos Kaffee … Wie blöd, den habe ich ja vorhin ganz vergessen! Also wieder hoch in die Küche, wo das Wasser zwischenzeitlich natürlich abgekühlt ist. Auf ein Neues! Während ich darauf warte, dass das Wasser wieder kocht, klingelt es an der Haustür. Sicherlich ein Paketbote, mittlerweile wissen die Fahrer aller Unternehmen, dass ich zu Hause arbeite, sodass mir fast sämtliche Lieferungen der Straße vorbeigebracht werden. Gelegentlich ist sogar etwas für uns dabei!
Während ich an der Haustür stehe, gibt die Waschmaschine durch ein Piepsen kund, dass der Waschgang beendet ist. Na gut, ich kann die Zeit ebenso gut nutzen, um mich um die Wäsche zu kümmern.
Stunden später. Feierabend! Ich gehe in die Küche, um das Abendessen zu machen. Neben dem Herd steht ein verlassener Kaffeepott mit einem Häufchen Cappuccinopulver darin, der mich vorwurfsvoll anzuschauen scheint. Trotzig trinke ich abends vor dem Fernseher gemütlich ein Tässchen …
Daniela Dreuth ist Lektorin, Korrektorin und Webtexterin. Sie bloggt auf wortakzente und Kinderohren.
Niveaulimbo mit dem Arschfax
Kürzlich wurde das Jugendwort des Jahres gewählt. Zu meinem Erstaunen hörte ich zum ersten Mal davon, obwohl die Wahl nun schon zum dritten Mal stattfand, und mal ehrlich: Die Bezeichnung Jugendwort befremdet doch irgendwie. Zählt man mit einem Alter von 29c noch zur Jugend? Und falls nicht (was ja gar nicht sein kann): Darf unsereiner diese Worte jetzt gar nicht in den Mund nehmen? Das fände ich aber schade. Ich würde doch so gerne mal irgendjemanden auf der Straße auf ein Arschfax aufmerksam machen …
Für alle Nichtwissenden: Als Arschfax bezeichnet man heute die Tatsache, dass einem das Unterhosenetikett aus der Hose hängt. Aber wie benutzt man dieses Wort überhaupt? Stellt euch mal vor, da läuft jetzt einer vor mir und hat besagtes Arschfax hinten raushängen. Was sage ich denn dann? Ey du da, nimm mal dein Fax aus dem Arsch! oder Moment mal, Sie haben da ein Arschfax! oder vielleicht einfach nur Du hast nen Arschfax gekriegt!? Ich frage mich auch: Was mache ich danach? Ich meine, wenn ich bei jemanden eine Fluse auf dem Pullover entdecke, dann nehme ich die weg. Aber was mache ich mit einem Arschfax? Stecke ich das dann wieder zurück …?
Leider wurde mein Lieblingswort gar nicht Jugendwort des Jahres, das Arschfax schaffte es nämlich nur auf den zweiten Platz. Stattdessen wählte man den Niveaulimbo auf den ersten Platz. Fragt ihr euch jetzt etwa, was ein Niveaulimbo ist? An diesem Blogbeitrag könnt ihr es wunderbar erkennen: Das Niveau sinkt stetig. Die Jugend verwendet diesen Ausdruck jedoch überwiegend, um die absinkende Qualität von TV-Formaten zu benennen: Also etwa DSDS oder GNTM oder wie auch immer das alles heißt.
Immerhin passen die beiden Wörter aber gut zusammen, denn das mit dem Arschfax ist ja ein reiner Niveaulimbo.
Spieglein, Spieglein an der Wand oder: Was Frauen niemals tun würden
Ein Besuch im Sportstudio liefert manchmal herrlichen Stoff für einen Blogbeitrag. Meine heutige Visite dort tat das jedenfalls. Wie immer bin ich meine Runde abgelaufen: Crosstrainer, Butterfly, Bauchtrainer … Als ich die Beinpresse erreichte, war ich mit meiner Runde schon fast durch. „Zeit für ein Päuschen“ dachte ich mir und fuhr meinen Sitz auf der Schiene zurück um meinen Blick durch die Halle schweifen zu lassen. Es war nicht besonders voll, naja, es war Sonntagnachmittag, wer – außer mir – geht da schon zum Spocht?
Und doch zog plötzlich eine Gestalt am Kabelturm meine Aufmerksamkeit auf sich. „Ach, da ist ja der Micha!“ denke ich und wundere mich im gleichen Moment über die merkwürdigen Bewegungen, die er da vollführt. Mit was für einem Gerät trainiert der denn da? Dummerweise kann ich das nicht genau eruieren, ich sehe nämlich nicht viel – der Kabelturm steht im Weg. Versteckt der sich etwa dahinter? Aber: Kein Problem, auf meiner Beinpressenschiene fahre ich mit meinem Sitz so lange hin- und her, bis ich einen freien Blick auf den jungen Mann, und was immer er da auch tut, habe.
Das Grauen hat einen Namen: Texter
Heute: Der Kunde als Profi-Schreiber
Vor einiger Zeit fand ich im Blog der Protextbewegung ein amüsantes Video über Honorarverhandlungen. Eigentlich ist das, was da gezeigt wird aber gar nicht lustig, es ist nämlich die bittere Wahrheit: Ist man selbstständig tätig, hat man immer wieder damit zu kämpfen seinen Preis durchzusetzen, hält der Möchte-gern-Kunde sich dann auch noch für einen Profi-Texter wird es echt schwierig …
Die Situation
Im Frühjahr erreichte mich eine Anfrage zur Überarbeitung eines Webauftritts. Die Texte stammten aus der Feder des Interessenten und er fand seine Webseitentexte sehr sehr ansprechend, nur leider „wirkten“ sie nicht – die Besucher konnten nicht zum Kauf animiert werden (O-Ton Kunde: Nur ein Profi-Texter würde hier und da noch anders formulieren).
Wenn das Fax Kaffee kocht …
… dann hat die Sabine nicht etwa das Fax mit der Kaffeemaschine verwechselt, nein. Wenn das Fax Kaffee kocht, dann hat die Texterin einfach nur einen gedankenverlorenen Tweet ins Word Wide Web gejagt, der da lautete: Ich brauche jetzt unbedingt einen Kaffee!
Ein aufmerksamer Follower, der liebe @Zitatusdotcom, nahm diesen verzweifelten Hilferuf zur Kenntnis und dachte sich: Das geht gar nicht! Kurzerhand faxte er der lieben Sabine einen Kaffee und rettete ihr damit den Tag.
Und wie so ein Original-Twitter-Fax-Kaffee aussieht, seht ihr hier:


