Weißt du eigentlich noch, wie es sich anfühlt, einen „Brief“ zu lesen? Ich meine nun nicht die alltägliche Post: Rechnungen, Prospekte und manchmal auch ein „Schreiben“. Die Absender eines “Schreibens” sind in den meisten Fällen Firmen, die etwas verkaufen möchten oder das Finanzamt, welches erinnert, dass die Einkommensteuererklärung längst überfällig ist.

Ich hingegen spreche von einem richtigen Brief, von einem Schriftstück, das völlig ohne Elektronik verfasst wurde. Noch vor ein paar Tagen dachte ich, dass es das heute – zumindest in unserer Generation – wahrscheinlich gar nicht mehr gibt. Wenn ich jemandem etwas mitteilen möchte, ist ein „Schreiben“, welches über ein Unternehmen wie die Post versandt wird, fast der letzte Weg, den ich wähle. In den meisten Fällen schafft ein Telefonat Abhilfe, um mein Anliegen zu klären. Ansonsten wähle ich den Weg der E-Mail – der Empfänger erhält sie in Sekundenschnelle und dank eines geübten 10-Finger-Systems ist diese Nachricht in kürzester Zeit geschrieben. Was für eine Zeitersparnis! Wenn ich mir vorstelle, ich würde ein Schreiben an das Finanzamt oder sogar meine Rechnungen mit der Hand verfassen – auf mein Geld müsste ich wohl lange warten …

Aber nun schweife ich ab: Wer schreibt im Zeitalter von Handys, Computer und E-Mail noch mit der Hand einen Brief? Wenn auch fast in Vergessenheit geraten: Es gibt sie – die Personen, die noch persönliche Briefe von Hand schreiben! Und voller Überraschung hab ich vor ein paar Tagen einen solchen ganz klassischen Brief erhalten. Das Spannende an einer solchen, ja ich möchte fast sagen „antiken“ Briefform ist: Man erkennt sie sofort! Aus einem Wust an üblicher Post sticht ein solcher Umschlag direkt heraus. Ich war überrascht: Wer schreibt mir mit der Hand einen Brief? Witzigerweise verrät die Handschrift auf dem Umschlag, ohne auf den Absender geschaut zu haben, ob es sich um den Brief eines Kindes oder etwa einer älteren Person handelt. In meinem Fall verriet mir die geschwungene und eher altmodische Handschrift, dass es sich um den Brief einer älteren Person handeln muss. Ich hatte sofort einen Verdacht und genauso war es: ein Brief meiner Großtante!

In der heutigen Zeit ist es tatsächlich etwas Besonderes, einen handschriftlichen Brief zu lesen. Es fängt damit an, dass man mit einem Lächeln im Gesicht versucht Wörter zu entziffern und hört damit auf, dass man genau weiß, dass sich der Absender wirklich Mühe gemacht hat. Für mich hat dieser Brief noch eine andere Bedeutung: Ich kenne meine Großtante eigentlich gar nicht! Und ich glaube, dass es heute nicht unüblich ist, dass man außer zum direkten familiären Umfeld kaum, bis kein Kontakt zur restlichen Verwandtschaft besteht. Das ist allerdings ein neues Thema, worüber ich ein anderes Mal berichten werde. Fürs Erste werde ich „die Herausforderung“ annehmen und diesen Brief mit einem ebenfalls ganz persönlichen Brief beantworten.

Vielleicht lässt du ja auch einfach mal den Computer Computer sein und überraschst jemanden mit einem echten, von handgeschriebenem Brief?

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